Neue Chancen für Menschen mit Behinderung – Zukunft im Beruf

Sömmerda, 27. August 2019: Zum 1. Juni 2019 wechselten die beiden ehemaligen Beschäftigten Patrick Braun und Marcel Schmidtke aus den Finneck-Werkstätten in die gemeinnützige IT-Firma AfB in Sömmerda.

Aufgrund des Bundesteilhabegesetzes ergeben sich in der Eingliederungshilfe u.a. Änderungen im Arbeitsleben. Mit dem Gesetzespaket des BTHG wird die Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung gestärkt. In insgesamt vier Reformstufen tritt das Bundesgesetz in Kraft und wird nach und nach umgesetzt. Um die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und deren neuen Möglichkeiten für die Beschäftigten der Finneck-Werkstätten umsetzen zu können, arbeiten wir seit Jahren daran attraktive Arbeitsplätze zu gestalten.

Die Finneck – Werkstätten bieten mit ihren Standorten in Sömmerda, Artern, Bad Frankenhausen und Rastenberg unterschiedlichste Tätigkeiten. So erstreckt sich das Angebot von handwerklichen Tätigkeiten wie Metallverarbeitung, also Schweißen, Abkanten, Gleitschleifen und leichtere Montagen, bis zur Arbeit in der Möbeltischlerei. Hierbei fertigen die Beschäftigten nach Wünschen der Kunden individuelle Möbelstücke an und fertigen außerdem Küchen im professionellen Maschinenpark. Auch das Tampondruckverfahren oder die Postsortierung für Dienstleister wie DHL und den Thüringer Postservice sowie die professionelle Gewürzabfüllung und die Konfektionierung über moderne Schneckendosierer gehören zu den Aufgabenbereichen. Je nach Interessengebiet und Fähigkeiten können die Beschäftigten der Werkstätten auch in der Hauswirtschaft, in der Essensausgabe oder im Catering arbeiten. Auch die Lebensmittelverarbeitung und –verpackung für bekannte Süßigkeitenhersteller und Bäckereien der Region gehören zu den Arbeitsmöglichkeiten die in den Werkstätten angeboten werden.  Die Grünanlagenpflege, Landschaftsgestaltung und Gärtnerei, die Montage /Verpackung sowie der Büroservice sind ebenfalls Arbeitsbereiche der Werkstätten der Stiftung.

Um diese Arbeitsbereiche adäquat und bedarfsgerecht zu organisieren arbeiten wir eng mit Betrieben der Region zusammen. So entstehen  gemeinsam mit den Firmen produktionsnahe und vor allen wertschätzende Arbeitsplätze. Diese Arbeitsplätze sind technisch und maschinell gut ausgestattet und werden von unseren pädagogischen Fachkräften, die ebenso entsprechende technische oder handwerkliche Facharbeiterausbildungen haben, eingerichtet, betreut und begleitet.

Durch diese enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit werden die Menschen gezielt weiterentwickelt und individuell gefördert. Darüber hinaus zeigen wir den Betrieben, dass auch Menschen mit Behinderung unter der richtigen Anleitung qualitativ hochwertige Tätigkeiten  verrichten können. Für Menschen, die entsprechende Potentiale entwickelt haben und den Wunsch äußern, sich unter den Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes auszutesten, eröffnen sich somit neue Möglichkeiten.

In einem engmaschig betreutem Praktikum, in dem auch die Mitarbeiter der Betriebe geschult und unterstützt werden, sollen in einem ersten Schritt Ängste abgebaut und Arbeitsplätze bedarfsgerecht eingerichtet werden. Gemeinsam mit den Betrieben werden nach und nach die Tätigkeiten erweitert, Arbeitsanweisungen, Unterweisungen und Richtlinien in leichter Sprache verfasst und der Arbeitsplatz so gestaltet, dass er den Leistungen und Fähigkeiten der Beschäftigten entspricht.

Im nächsten Schritt bekommen die Beschäftigten und die Betriebe über einen Außenarbeitsplatz die Möglichkeit ihre Zusammenarbeit auszubauen und zu  stabilisieren. So bereiten wir die Menschen auf die herausfordernden Gegebenheiten auf dem ersten Arbeitsmarkt vor, bauen Vorurteile beim Arbeitgeber ab und beraten Firmen bei bürokratischen Hürden.

Aufgrund dieser Entwicklungen, wie dem Budget für Arbeit, ist es auch den beiden Beschäftigten Marcel Schmidtke und Patrick Braun gelungen von einem Außenarbeitsplatz der Finneck-Werkstätten bei der Firma AfB am Standort Sömmerda in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu wechseln. AfB ist ein IT-Refurbisher, welcher insbesondere in Sömmerda den Aufkauf nicht mehr benötigter IT-Geräte wie Laptops und Smartphones übernimmt, diese generalüberholt und wieder verkauft. Seit dem 1. Juni 2019 sind die beiden Beschäftigten nun Angestellte der gemeinnützigen IT-Firma. Den beiden eröffnen sich durch das Budget für Arbeit neue Wege in eine finanzielle Eigenständigkeit und erhalten weiterhin Begleitung auf ihrem beruflichen Weg.

Trotz der festen Anstellung gehören Besuche am neuen Arbeitsplatz dazu. Matthias Göbel, der als Fachkraft für berufliche Integration bei der Stiftung Finneck arbeitet, fungiert weiterhin als Ansprechpartner für den Betrieb und die ehemaligen Beschäftigten. „Die Besuche unseres Fachteams der beruflichen Integration werden gern in Anspruch genommen. Wir agieren im Prinzip als Kontaktperson, da wir die neuen Mitarbeiter kennen und Hinweise sowie Hintergrundinformationen geben können, wenn Hilfe benötigt werden sollte“, sagt Matthias Göbel.

„Sowohl für uns als Werkstätten als auch für die Unternehmen ist es toll zu sehen, wie sich die ehemaligen Beschäftigten weiterentwickeln und Möglichkeiten finden am ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten. Herr Schmidtke und Herr Braun scheinen sich am neuen Arbeitsplatz wohlzufühlen und das freut uns sehr“, sagt Mathias Aller, der die Werkstätten der Stiftung Finneck leitet.