Geschichte

Stiftung Finneck historische Bilder

Die Stiftung Finneck hat eine wechselvolle und lange Geschichte, deren Wurzeln mit der ersten Erwähnung der Haselmühle in Rastenberg bis ins Jahr 1505 reichen. In unmittelbarer Nähe wurde 1889 das Bad und Sanatorium Finneck errichtet.

Ihren Ursprung hat die Stiftung im Jahr 1918 als der Landesverein für Innere Mission Sachsen-Weimar-Eisenach an der alten Haselmühle ein Kinderheim für tuberkulosegefährdete Kinder eröffnete. Im Laufe der Jahrhunderte war das Haus Bergarbeiterunterkunft, Heilstätte, Internatsschule und Kinderheim. Das Gelände wurde stetig erweitert, um- und ausgebaut.

In den 1930er Jahren wurde der Landesverein der Inneren Mission in Rastenberg aufgelöst und in eine Stiftung nach bürgerlichem Recht umgewandelt. Heute ist die diakonische Stiftung Finneck ein Träger der Behindertenhilfe mit über 470 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Diese betreuen etwa 1.200 Menschen mit Behinderung in der Finneck-Schule „Maria Martha“, in Kindertagesstätten, Wohnheimen und Außenwohngruppen sowie ambulant und an den Standorten der Werkstätten.

Harry Scheibe - Eine Biografie eines Weimarer Schriftsetzers, Schriftstellers, Philosophen und Zeitzeugen der Kinderheilstätte Finneck.

Biografie
Geboren und aufgewachsen in Weimar, besuchte Scheibe die Volksschule und das Gymnasium. Von 1914 bis 1916 absolvierte er eine Lehre im Betrieb des Vaters, der eine Buch- und Steindruckerei, einen Verlag und eine Buchbinderei führte.
Nachdem er ab 1916 als Soldat im ersten Weltkrieg diente, kehrte er 1918 nach Weimar zurück und widmete sich wieder intensiven philosophischen Studien. In dieser Zeit entwickelte er intensive Kontakte zum Bauhaus in Weimar.
Nach dem Umzug des Bauhauses nach Dessau im Jahre 1925 traf er sich weiterhin mit ehemaligen Bauhäuslern und revolutionären Weimarer Künstlern wie Alfred Ahner. Zeitgleich half er gelegentlich in der Schreibwarenhandlung seiner Mutter, verfasste Artikel für Zeitschriften und erstellte philosophische Studien.
In den 1930er Jahren wurde Scheibe zunehmend schwerhörig. Aufgrund seines Künstler-Daseins war er Anfeindungen ausgesetzt, erkrankte psychisch und vereinsamte. Unter dem Vorwurf der Erregung öffentlichen Ärgernisses wurde er 1939 angeklagt, vom Landgericht Weimar aber freigesprochen, mit der Auflage, ihn in einer Heil- und Pflegeanstalt unterzubringen. Die folgenden Jahre bis 1948 verbrachte er in verschiedenen Einrichtungen in Blankenhain, Stadtroda und Rastenberg. Wieder zurück in Weimar verbrachte er sein Leben in einem Feierabendheim. Um 1950 lernte er den Weimarer Grafiker und Philosophen Arno Fehringer kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod 1974 eine enge Freundschaft verband. Harry Scheibe verstarb im Januar 1979 in Weimar.

Künstler & Philosoph
Harry Scheibe beschäftigte sich von früher Jugend an mit Büchern. Er studierte alles Philosophische, was er bekommen konnte: von den alten Chinesen und Indern über Spinoza, Leibniz, Kant, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, bis Marx, Engels und Lenin. Zusätzlich: Mathematik, Mechanik, Literatur, Kunst. Ein Leben lang interessierte ihn nebenbei die alternative, pi-freie Berechnung des Kreises. In der Kunst liebte er besonders den Expressionismus. Er war stets auch am Zeitgeschehen interessiert. Seine Jackentaschen waren wohl immer voller Zeitungsartikel und persönlicher Notizen. Gerne trat er im Künstlermilieu auf und rezitierte dabei eigene Gedichte, sang Lieder aus der Wandervogelzeit.

Harry Scheibe in der Stiftung Finneck
Nach Aufenthalten in den Thüringischen Landesheilanstalten Blankenhain und Stadtroda wurde Scheibe am 1. September 1941 im Sonnenhof, einer Heim- und Pflegestätte für geistig behinderte und aufsichtsbedürftige Männer und Burschen, der heutigen Stiftung Finneck untergebracht. Hier verblieb er bis zum 31. März 1948.
Bereits in den vorhergehenden Heilstätten begann er mit einer Ausbildung zum Gärtner, die Scheibe auch in Rastenberg weiter verfolgte.

Brief an Scheibes Bruder Hans vom 06.12.1941
"Aber auch ich habe augenblicklich alle Hände voll zu tun und ich muss mich sehr zusammenraffen, damit ich in meinem neuen Beruf vorwärts komme…. Ich habe die feste Zuversicht, dass ich es schaffen werde. Der Jahreszeit entsprechend haben wir Gärtner jetzt viel mit dem Wegebahnen, Schneeschaufeln, Asche- und Sandstreuen zu tun."

Rückblickend auf die Jahre in der Stiftung Finneck schreibt er in einem Brief 1964 an seine Nichte Ingrid:
"Sicher für mich selbst ist eins – ich bin in keiner Weise in jeder meiner vergangenen Situationen ein „Stehengebliebener“ geworden... Seit dem Bauhaus – an dem ich als Philosoph bekannt war – über die Etappe meiner „Krankheit“ und die Aufenthalte in einem sogenannten Pflegeheim in Rastenberg als letzte Station bis zum Feierabendheim in Weimar... bin ich geistig ständig etwas weiter gekommen."